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Firmengründer im Gespräch

Respekt vor der anderen Meinung – Ein Gespräch mit Dr. Siegfried Walter im August 2006

Dr. Siegfried Walter hat die Firma Dr. Walter 1959 gegründet. Vor seinem Einstieg in die Versicherungsbranche betreute der studierte Germanist in den Fünfzigerjahren ausländische Fachkräfte und Akademiker.


Herr Dr. Walter, nach Ihrem Studium haben Sie ausländische Gäste in Deutschland betreut. Wie kamen Sie dazu?

Für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) habe ich zu dieser Zeit Führungen für ausländische Reisegruppen in Deutschland organisiert. Der Umgang mit internationalen Gästen bereitete mir Freude und ich lernte, manches hier im Lande mit anderen Augen zu betrachten. Als mir die Carl-Duisberg-Gesellschaft eine Stelle zur Betreuung ihrer Gäste anbot, nahm ich gerne an.
Bei meiner Arbeit stellte ich dann fest, dass es für ausländische Besucher überhaupt keinen Versicherungsschutz gibt. Schon während meiner Zeit beim DAAD hatte ich an einer Absicherung für Ausländer mitgearbeitet, so dass ich da schon einige Erfahrung gesammelt hatte. Weil ich mich für "meine" Gäste verantwortlich fühlte, wollte ich meine Versicherung für diesen Personenkreis entwickeln.
Umsetzen konnte ich diese Idee dann allerdings nicht mehr, da die Carl-Duisberg-Gesellschaft meine Stelle kündigte: Einigen Herren dort missfiel mein privates Interesse für die Freud’sche Psychoanalyse.
 
In einer solchen Situation stellt sich die Frage, wie es weiter geht. War Ihnen sofort klar, dass Ihre berufliche Zukunft in der Versicherungsbranche liegen würde?

Ich habe schon gemerkt, dass ich mich in diesem Bereich weiter entwickeln wollte. Zunächst habe ich bei der Industrie Assekuranz als Alleinvertreter, später bei Alfred Holz & Co. gearbeitet und ausschließlich Versicherungen dieser Firma vertrieben.
Als Makler habe ich mein Spektrum dann erweitert. Ich habe damals in meiner Zweizimmerwohnung in Köln-Porz mit der Vermittlung von Auslandsreiseversicherungen ganz klein angefangen. Man muss sich das so vorstellen: Ich habe die ganze Woche Firmen und Institutionen besucht, die ausländische Gäste hatten, und meine Versicherungen angeboten. Diese ersten Jahre waren sehr hart. Ich war in ganz Deutschland unterwegs, in einem Jahr bin ich über 44.000 km gefahren, das war damals eine Menge. Man war ja noch nicht so mobil wie heute.
Viele Gesellschaften waren skeptisch: "Versicherungen für Ausländer?" Dieses Risiko galt als nicht kalkulierbar. Doch nach und nach kamen auch größere Gruppenverträge zustande. Zum Beispiel auch mit "Dienste in Übersee", einer kirchlichen Organisation zur Entsendung von Fachkräften. Dieser Erfolg sprach sich in der Branche natürlich herum. So bekam ich in den folgenden Jahren zunehmend Anfragen, ohne dass ich vorher selbst den Kontakt aufgebaut hätte.

Sie haben 1962 zusammen mit dem VIJ (Verein für Internationale Jugendarbeit) den ersten Versicherungstarif für Au-pairs entwickelt. Damit hat sich Dr. Walter in der Versicherungsbranche eine Sonderstellung geschaffen.

Als ich das Unternehmen aufgebaut habe, fiel in Kundengesprächen immer wieder das Stichwort "Au-pair". Nach dem Krieg wurde diese Art des Austausches vor allem mit England und Frankreich ausgebaut. Und da es keine Absicherung für Au-pairs gab, habe ich eben selbst einen Tarif entwickelt. Gerade gegenüber jungen Leuten, die ins Ausland gehen, ist man als Gastgeber in der Verantwortung. Deshalb habe ich mich mit dem Verein für Internationale Jugendarbeit zusammengesetzt und eine passende Versicherung entworfen. Auch in den Jahren danach gab es wenig Anbieter, die sich für diese Nische interessierten. Heute gibt es durchaus Wettbewerber und im Au-pair-Bereich hat sich manches geändert. Das Engagement von Dr. Walter für diese Art Kulturaustausch aber ist gleichgeblieben. Deshalb unterstützen wir das Au-pair-Wesen in Deutschland seit vielen Jahren, unabhängig vom Thema Versicherung.

Als Geisteswissenschaftler waren Sie Quereinsteiger ohne eine klassische Ausbildung im Versicherungswesen. Hat man Sie in der Branche ernst genommen?

Das hat eigentlich nie eine Rolle gespielt. Ich hatte mich gut eingearbeitet und verfügte bereits über eigene Erfahrungen in dem Bereich. Ich habe mich schon sehr früh dafür eingesetzt, dass vorvertragliche Leiden nicht kategorisch ausgeschlossen werden, wie es bis dato üblich war. Hier musste ich über die Jahre viel Überzeugungsarbeit leisten. Heute sind wir so weit, dass wir Krankheiten, die bereits vor Versicherungsbeginn bestehen, in vielen Bereichen einbeziehen.
Auch das Weiterversicherungsrecht ist keine Selbstverständlichkeit und hat sich erst langsam entwickelt. Wenn jemand aus dem Ausland zurückkehrt, braucht er in Deutschland auf jeden Fall wieder eine Krankenversicherung, vor allem, wenn er zwischenzeitlich erkrankt ist. Dafür habe ich mich von Anfang an eingesetzt.

Ahnten Sie damals schon, dass der Bereich Reiseversicherung so stark wachsen würde?

Ja, mein Instinkt sagte mir schon in den fünfziger Jahren, das sich dieser Markt entwickeln würde. Und diese Entwicklung hält an: Immer mehr Menschen sind zeitweise im Ausland und brauchen dafür eine passende Absicherung.  

In den folgenden Jahren haben Sie viel Wissen und Erfahrung gesammelt. Was war Ihnen beim Thema Versicherungsschutz besonders wichtig?


Ich habe mich immer von ganz einfachen Regeln leiten lassen: Man sollte sich darauf konzentrieren, wie ein wirklich sinnvoller Schutz aussehen könnte. Dabei braucht man gar nicht alle Eventualitäten zu versichern. Sinnvoll ist, was individuell passt. Das kann auch eine schlanke Lösung sein. Dieser Maxime bin ich immer treu geblieben. Meine Kunden haben gespürt, dass ich nicht das teuerste oder umfassendste Produkt verkaufen wollte und haben es mir mit Vertrauen gedankt.

Sie haben sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Was hat Ihnen in Ihrem Berufsleben besonders viel Spaß gemacht?

Nach meinem Rückzug aus der Firma ist mein Leben aber immer noch gut ausgefüllt. Kunst und Architektur haben mich schon früh interessiert und ich freue mich, nun genügend Zeit dafür zu haben. Im Berufsleben habe ich gerne gesehen, wie sich unser Unternehmen mit zunehmender Erfahrung und Expertise zum Spezialisten auch für unkonventionelle Reiseversicherungslösungen entwickelt hat. Immer öfter wurden wir dann weiterempfohlen und haben uns damit zu einer "Instanz" in der Branche entwickelt. Das hat mir immer Freude bereitet – und das tut es noch heute.

Was ist für Sie charakteristisch für Dr. Walter?

Ich bin stolz auf die Unternehmenskultur von Dr. Walter, die von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt ist. So spürt man eine große Loyalität der Mitarbeiter gegenüber dem Unternehmen, es gibt fast keine Fluktuation. Bei Dr. Walter sind viele bereits in der zweiten Generation beschäftigt – und hoffentlich eines Tages auch in der dritten. Es ist schön zu sehen, dass Reinhard Bellinghausen das Familienunternehmen in meinem Geist weiter führt. Heute würde ich wohl so handeln wie er.

Was würden Sie zukünftigen Mitarbeitern mit auf dem Weg geben?

Ich habe in meinem Leben immer auf Tugenden wie Freiheit, Offenheit und Vertrauen gesetzt. Diese Werte sollen auch weiterhin die Atmosphäre in unserem Unternehmen bestimmen. Dazu gehören auch der Respekt vor der anderen Meinung und das Prinzip, niemandem etwas aufzudrängen. Es wäre mir sehr unangenehm, wenn Mitarbeiter ihrem Gegenüber keine Wahl ließen. Viele Menschen verbinden ja mit Versicherungen die Vorstellung, dass sie von einem aufdringlichen Vermittler mehr oder minder zu etwas genötigt werden, wovon sie selbst gar nicht überzeugt sind. Diese Vorstellung finde ich grauenhaft. Ich bin eher für Zurückhaltung: Ich versuche, ein passendes Angebot zu machen und das kann man dann gerne annehmen oder eben auch ablehnen. Es ist mir wichtig, dass dies bei Dr. Walter nach wie vor Gültigkeit hat.

Dr. Siegfried Walter stirbt im Dezember 2009 im Alter von 87 Jahren.
Wir veröffentlichen dieses Gespräch anlässlich des 55-jährigen Firmenjubiläums am 1. Juni 2014.

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