Konjunkturumfrage 2026: Weniger Au-pairs in Deutschland – Branche fordert bessere Rahmenbedingungen

15.06.2026

Die aktuelle Konjunkturumfrage 2026 zeigt: Das Au-pair-Programm in Deutschland steht weiter unter Druck. Im Jahr 2025 kamen rund 8.500 ausländische Au-pairs nach Deutschland – ein Rückgang von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich ein negativer Trend seit 2023 fort, der sowohl Gastfamilien als auch Vermittlungsagenturen vor große Herausforderungen stellt. 2019 waren noch rund 15.000 Au-pairs in Deutschland.

Restriktive und inkonsistente Visumspolitik als zentrales Hemmnis
Ein wesentlicher Grund für den Rückgang liegt in der restriktiven und uneinheitlichen Visumspraxis. Während angehende Auszubildende vergleichsweise unkompliziert ein Visum erhalten, scheitern Au-pair-Vorhaben häufig an komplexen und intransparenten Verfahren. Zudem zeigt sich eine zunehmende Unberechenbarkeit in den Herkunftsländern, da die jeweiligen Botschaften plötzlich weniger oder wieder mehr Visa ausstellen. Klassische Entsendeländer wie die Philippinen und Indonesien spielen aktuell kaum noch eine Rolle. Aus Ländern wie Kirgisistan, Usbekistan, Tunesien, Thailand, Mexiko und Ruanda konnten zuletzt hingegen wieder mehr Au-pairs einreisen.

Deutschland verliert im europäischen Wettbewerb
Trotz weiterhin hoher Nachfrage seitens deutscher Gastfamilien gelingt es immer weniger, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu gewinnen. Im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark und Schweden schneidet Deutschland deutlich schwächer ab. Gründe dafür sind unter anderem die hohen Anforderungen an Deutschkenntnisse sowie die vergleichsweise niedrigen Leistungen, beispielsweise in Form von Taschengeld und Zuschüssen für Sprachkurse. Viele junge Menschen entscheiden sich daher bewusst für die attraktiveren Rahmenbedingungen in anderen europäischen Ländern.

Rückgang bei Au-pair-Agenturen gefährdet Qualität des Programms
Auch strukturell zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung: Die Zahl der Full-Service-Agenturen in Deutschland ist aktuell auf 87 gesunken. Mit dem Rückgang professioneller Vermittlungsstellen sinken zugleich die Chancen auf einen erfolgreichen und betreuten Kulturaustausch. Fehlende Standards und Betreuung können langfristig die Qualität und das Vertrauen in das Programm gefährden.

Outgoing-Bereich unter Druck
Nicht nur im Incoming-Bereich gibt es Herausforderungen. Für deutsche Au-pairs wird das Angebot an attraktiven Zielländern immer kleiner. Die USA verlieren weiterhin an Bedeutung – mit nur noch rund 1.800 deutschen Au-pairs hat sich die Zahl seit 2017 halbiert. In Großbritannien stagniert das Programm seit dem Brexit. Entsprechend bewerten 40 Prozent der Outgoing-Agenturen ihre wirtschaftliche Lage als schwierig.

Au-pair als Chance für Integration und Fachkräftegewinnung
Dabei bietet das Au-pair-Programm großes Potenzial: Es ermöglicht jungen Menschen einen niedrigschwelligen Einstieg in Sprache, Kultur und Arbeitsleben in Deutschland. Im Vergleich zur direkten Fachkräftezuwanderung schafft es eine wichtige Orientierungs- und Integrationsphase. Viele Au-pairs entscheiden sich im Anschluss für eine Ausbildung, ein Studium oder einen Freiwilligendienst in Deutschland.

Branche fordert klare politische Unterstützung
Angesichts des Fachkräftemangels ist Deutschland auf Zuwanderung angewiesen. Die Branche sieht dringenden Handlungsbedarf: Ein klares politisches Bekenntnis zum Au-pair-Programm sowie verbesserte Rahmenbedingungen sind notwendig, um die Attraktivität Deutschlands als Gastland zu stärken. Dazu gehören insbesondere eine transparentere Visumpraxis, eine Anhebung des Taschengelds und eine Erhöhung der Zuschüsse für Sprachkurse.

Die Konjunkturumfrage 2026 basiert auf einer Onlinebefragung von 64 deutschen Au-pair-Agenturen und liefert bereits zum 20. Mal umfassende Einblicke in die Entwicklung des Marktes. Die Studie wird von DR-WALTER herausgegeben und erscheint im Calypso Verlag.

Zur vollständigen Version der Umfrage. 

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